@OpenSchufa

Vor einiger Zeit habe ich über einen Tweet die Stellungnahme der SCHUFA zur OpenSCHUFA Initiative, die den Algorithmus hinter dem Scoring der SCHUFA herausfinden möchte, gelesen. Mich hat es schon längere Zeit gewundert, wie die SCHUFA dieses Scoring erstellt. Bereits als Student habe ich immer mal wieder die Selbstauskunft nach §34 BDSG beantragt. Als Student ist man oft arm wie eine Kirschenmaus und wundert sich entsprechend nicht über ein eventuell schlechtes Scoring. Sofern man überhaupt etwas mit den Prozentzahlen anfangen kann, denn so richtig offiziell steht ja nirgends, ab wann genau man ein „gutes Scoring“ hat und ab wann nicht mehr und in welchem Bezug. Das man als Student ohne gesichertes Einkommen, außer seinem Nebenjob, keinen Kredit für ein Haus erhält ist wohl klar, auch mit einem fast perfektem Scoring wäre dies wohl mehr als unwahrscheinlich.

Man könnte nun denken, dass man ein gutes Scoring hat, wenn man all seinen Verpflichtungen, die man hat (z.B. 0%-Finanzierung seines Laptops, Mobilfunk-Vertrag, Internet-Anschluss, Miete, etc.pp.), nachkommt. Als Student besteht natürlich das Risiko, dass irgendwann kein Einkommen mehr vorhanden ist und man diesen Verpflichtungen, auch wenn man sie bereits seit Jahren erfüllt, nicht mehr nachkommt. Dieses Risiko berechnet das Scoring. Dass ich als Student unter 90% im Scoring war, hat mich nie gewundert. Als ich mich mit meinen Finanzberater unterhielt, sagte ich ihm seinerzeit nicht, wie mein Scoring ist. Wir unterhielten uns nur grob, wie man sein Scoring verbessern könnte, ob er Ideen dazu hat. Wenn man Kredite abbezahlt und es nie zu Unregelmäßigkeiten kam, ist dies ein Bonus. Gleiches gilt für Mobilfunkverträge und auch für eventuelle Kreditkarten. Die Anzahl der Konten ist prinzipiell egal, solange keines im Saldo ist. Ich hätte ihm wohl mein Scoring sagen sollen. Unter 90% ist fast bereits eine mittlere Katastrophe… Nun ja, zumindest ein deutlich erhöhtes bis hohes Risiko, sodass man sicherlich die ein oder Anschaffung dann wirklich bar zahlen muss. Und nochmal: als Student sicher noch verständlich, auf Grund des eventuellen Risikos, dass das Einkommen wegbricht. Also doch noch alles im Lot.

Nun bin ich verbeamtet. Arbeite im gehobenen Dienst. Mein Einkommen ist gesichert, selbst wenn ich erkranken sollte. Und im gehobenen Dienst ist das Einkommen sicher auch nicht sooooo wenig, trotz der Nullrunden der letzten Jahre. Also beantragt man nach 1,5  Jahren Referendariat und bereits gut 1,5 Jahren Verbeamtung als Lehrer nochmals eine Selbstauskunft. Was ich dann feststellen darf, ist, dass alle Angaben soweit korrekt sind. Alle abgeschlossenen und bezahlten, alle neuen Verträge, egal ob Mobilfunk, 0%-Finanzierung (des kaputt gegangenen Surface), alles Ok. Alles Ok?

Fast alles, bis auf das Scoring. Man hat fast das Dreifache an Einkommen als Student, alle Sicherheiten und dennoch ist das Scoring nur minimal besser? Über 90% immerhin, aber im Schnitt immer noch von den erwarteten mindestens 95% (geringes bis überschaubares Risiko) entfernt. Je nach Bereich (z.B. „SCHUFA-Score für Handel???) sogar noch unter 90%? Also mal wieder meinen Finanzberater angehauen und ihm die komplette Auskunft gegeben. Gezeigt hat sich: Selbst für Finanzberater ist das Scoring teilweise recht unübersichtlich und nicht immer nachvollziehbar. Kredite sind gut, solange sie einen direkten Gegenwert haben, wie z.B. ein Haus/eine Wohnung. Konsumkredite, wie 0%- Finanzierungen sind (bis man sie komplett abgezahlt hat) schlecht, auch wenn man sich das Laptop ohne Probleme viermal hätte kaufen können. Das man mit 0%-Finanzierungen Geld spart, interessiert hier auch nicht. Statt das Gerät auf einen Schlag zu zahlen, lässt man sein Geld im Depot, erhält min. 4-6% Zinsen und spart somit am Ende noch einmal bis zu 50,- €. Klar kann man sagen, dass das bei einem Einkaufswert von 1500,- € Peanuts sind. Aber wie sagte mein Mutter bereits früher: Wer den Pfennig nicht ehrt…. Wie viele Konten einen negativen Einfluss haben? Gute Frage.

Insgesamt ein absolut undurchsichtiges, intransparentes Scoring. Klar, laut SCHUFA soll dies auch so sein. Sonst könnte ja jeder einfach sein Scoring „austricksen“ und verbessern. Aber wieso sollte ich kein Scoring von knapp 95% oder sogar darüber haben? Hätte ich nicht die idealen Voraussetzungen? Unkündbar, verbeamtet, gehobener Dienst, eine absolut witzlose 0%-Finanzierung, kam bisher all seinen Verpflichtungen der letzten Jahre nach. Was will die SCHUFA bitte mehr? Wenn man dann immer wieder lesen muss, dass die SCHUFA falsche Datensätze hat und diese nicht löschen will, weil man selbst nicht der Vertragspartner sei, so steht es für mich fest:

 

Das OpenSCHUFA-Projekt ist meiner Meinung nach gut und hat seine Berechtigung. Zumindest denke ich, dass ich nicht der Einzige bin, bei dem sich das Scoring so verhält. Bisher wurden keinerlei Verträge abgelehnt, aber den Kauf einer Wohnung könnte ich mir mit solch einem Scoring, trotz bester Voraussetzungen, sicher immer noch abschminken (auch wenn ich zurzeit eh keine haben möchte ;- ). Also kann ich den Aufruf der OpenSCHUFA nur beipflichten und schreiben, dass alle einfach mitmachen sollten!

 

Zum Schluss bin ich aber auch gespannt, was die neue DSGVO der EU bringen wird. Die SCHUFA speichert definitiv meine Daten. Also bin ich auch berechtigt, die Löschung eben dieser zu beantragen, oder?